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Nähkurs 2018 – Erfahrungsbericht Teil 1

Gerade passiert sehr viel in meinem Leben: Umzug, Arbeit, neue Entwicklungen beim Kind (Trotzphase: ich, nein, ich, nein, mein, nein…. uff) und wie schon in einem meiner letzten Beiträge erwähnt, mache ich gerade mit 2 lieben Freundinnen einen Nähkurs in der VHS (=Volkshochschule)….

Dieser Nähkurs ist ein Basisnähkurs für das Nähen von Kleidung. Meine Freundinnen dachten, es wäre ganz schön zusammen einen Kurs zu machen. ♥♥♥♥

Erst hatte ich vor Euch einfach mein fertiges Kleidungsstück am Ende des Kurses als mein Ergebnis zu zeigen, aber es „passiert“ so viel in diesem Kurs und ich erkläre euch gleich warum das passiert in Anführungszeichen steht, dass ich meine Erfahrungen in mehreren Teilen mit Euch teilen möchte 😉 🙂 .

In mehreren Teilen deswegen, weil der Kurs noch bis Anfang Mai geht und ich euch natürlich auch zeigen möchte, was da am Ende bei mir rauskommt 😉 .

Meine Erwartungen an den Kurs:

Gute Mischung aus Theorie und Praxis – Theorie (Wissen, Tipps und Tricks) lernen und dann auf das eigene Projekt anwenden können. UND vor allem dieses Wissen und diese Erfahrungen in Folgeprojekte außerhalb des Kurses mitnehmen und anwenden können.

Realität:

Die 1. Kursstunde

Die erste Stunde (und es waren tatsächlich nur 1,5 Stunden) war doch eher ernüchternd und etwas enttäuschend für mich. Die Stunde bestand darin, dass sich unsere Nährunde vorstellt: Name, Erfahrungen in dem Bereich Nähen, Ziel und Projektwunsch für den Kurs.

Soweit alles gut. Allerdings war für mich die erste kleine Enttäuschung, dass sich eine Teilnehmerin überhaupt nicht vorstellte, die mit der Leiterin des Kurses per DU zu sein schien und die Leiterin des Kurses sich ebenfalls überhaupt nicht vorstellte.

Ich habe keine Ahnung aus welchem Bereich sie kommt, welche Erfahrungen sie mitbringt und was ihre Ziele des Kurses sind.

„Naja“, dachte ich, „schade, aber kann ja mal passieren“ 😉 🙂

Danach ging es weiter mit für mich unstrukturiertem Geplauder über alles Mögliche. Die Leiterin, nennen wir sie mal Frau X, versteifte sich dann auch gleich auf ein zwei Teilnehmer und der Rest schaute gefühlt Löcher in die Luft…

Deswegen verwarf ich auch meine erste Idee für ein Projekt. Diese erschien mir für den Kurs zu kompliziert und bevor ich dann schönen Stoff ruiniere und ich mich am Ende ärgere, beschloss ich mir eher was simples für den Kurs zu suchen.

Die nächste Idee war es meinen Lieblingspullover zu kopieren. Wie es meine Art so ist, informierte ich mich im Netz und fand diesen tollen Kurs bei Makerist – Kopiere dein Lieblingsshirt. Also lief ich los und versuchte mir die benötigten Dinge für dieses Vorhaben und für die nächste Kursstunde zu besorgen.

Leider bekam ich nicht alle benötigten Dinge. Deswegen entschied ich mich dann doch ein Schnittmuster zu kaufen. Ich fand auch ein passendes und Stoff, der mir gefiel.

By the way, mit kleinen Kindern in einen Näh-Strickladen einkaufen kann sehr unterhaltsam werden…. Ich habe von unserer Maus gelernt, dass sich lange Reißverschlüsse hervorragend als Gürtel eignen 😉 😀

Die 2. Kursstunde

Mit neuer Zuversicht und voll ausgerüstet ging ich in die nächste Kursstunde. Und hier muss ich echt sagen, ging meine Enttäuschung erst richtig los.

Hierbei sei nochmal erwähnt, dass es sich um einen BASIS Nähkurs für das Nähen von Bekleidung handelt, der doppelt so teuer ist wie ein neu erschienener Makerist Video Kurs!!!

Keine Einführung in das Verstehen von Schnittmuster: Wie muss ich die lesen? Was bedeuten die ganzen Symbole? Was muss ich beachten? Was ist ein Grundschnitt? Was ist ein Produktionsschnitt? Sind in dem Schnittmuster Naht- und Saumzugaben enthalten? Und und und….

Keine Einführung in Stoffkunde (zu mindestens so ganz oberflächlich): Elastische Stoffe, Webware, Rechte Seite, linke Seite, Fadenlauf, Webkante, etc….
Und wir haben hier auch Leute in dem Kurs, die davon keine Ahnung haben oder seit ihrer Schulzeit nichts mehr damit zu tun haben….

Keine Einführung ins Vorwaschen der Stoffe und das richtige Bügeln dieser (muss ja nicht, aber schön gefunden hätte ich es trotzdem).

Was mich aber am meisten schockierte (und ich verwende das Wort hier ganz bewusst), war die Tatsache, dass mir ein Thema extrem fehlte: Wie nehme ich richtig Maß?
Das finde ich das Wichtigste und die Grundlage für alles andere was beim Thema Nähen von Kleidung zu beachten ist!!!!!

Frau X hat sich in dieser Kursstunde nur mal hier und da einem Teilnehmer gewidmet. Sich, wenn vorhanden, das Schnittmuster kurz angesehen. Den Beteiligten kurz vermessen (auf aller Kleidung, die derjenige an hatte), brabbelte irgendwas vor sich hin, schrieb Zahlen auf das Schnittmuster, rechnete was und schrieb wieder. Sagte dann „mess nochmal nach, damit du verstehst wie das geht“ und ging weiter…..

Ich weiß ja nicht wie es Euch geht, aber ich bin jemand, der eine eher langsame Auffassungsgabe hat. D.h. ich verstehe Dinge oder Sachverhalte nicht sofort, sondern brauche eine Weile. Sind diese aber einmal verstanden, dann verschwinden diese so gut wie nie aus meinem Gedächtnis.

Ich stand da und hatte das Gefühl Frau X spricht Chinesisch mit mir. Ich sah überall nur Fragezeichen und verstand nicht wirklich was. Trotzdem pauste ich mein Schnittmuster mit Malerfolie ab, Frau X zeichnete mit ihrem Schneiderlineal Linien ein und am Ende schnitt ich alle Teile aus.

Was ich aber noch richtig krass fand war, als eine Teilnehmerin ihre Schnittteile auf den Stoff auf die falsche Seite gelegt und ausgeschnitten hatte… da dachte ich „oh mann…. ich hätte mich geärgert“. Diese Teilnehmerin macht gleich zu Anfang ein Kleid aus Baumwollstoff. Ein sehr schönes Kleid muss ich dazu sagen und der Stoff ist echt schön gewählt.

Ich hoffe nur 2 Dinge für sie:

  1. Das Kleid wird was!
  2. Sie hat den Stoff vorher gewaschen, denn Baumwolle geht bis zu 30% ein beim ersten Waschen!

Naja, als die 3 Stunden vorbei waren, war ich eher demotiviert und unsicher und traute mich eher nicht an den Schritt dieses Schnittmuster auf meinen Stoff zu legen. Ich wollte das Ganze erst verstehen.

Also was tat ich…? Na klar ich informierte mich im Internet. Erst bei Makerist, wo ich diesen Kurs fand Makerist – Schnittkonstruktion. Dieser Kurs war ganz gut, aber noch nicht so ganz das Richtige für mich und mein Verständnis. Ich suchte also weiter nach Informationen und fand einen sensationellen BLOG. Einen BLOG, kostenlose Informationen zu genau meinem Problem. Von einer Bloggerin, deren Schreibstil mir unglaublich gut gefällt: Locker, witzig und dennoch inhaltlich top.

Dieser Blog heißt Tweed and Greet und wird von Selmin Ermis-Krohs betrieben.

Dort fand ich tolle Infos:

Nach dem Lesen der Blogbeiträge, entschloss ich mich nochmal von vorne anzufangen. Ich verwendete alle Infos aus allen Quellen und fing erstmal an mich richtig auszumessen:

Dann besorgte ich mir die richtigen Utensilien (Schneiderlineal, Burmesterkurven und ein Doppel-Kopierrädchen, welches ich einfach nur eine geniale Erfindung finde, da man damit aus einem Grundschnitt ganz einfach wieder einen Produktionsschnitt machen kann):

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Ganz kurzer Ausflug in die Theorie:

  • Grundschnitt = Schnitt ohne Naht- oder Saumzugaben
  • Produktionsschnitt = Grundschnitt inklusive Naht- und Saumzugaben

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Als ich alles beisammen hatte, fing ich an mein Schnittmuster mit einem Kopierrad abzuradeln und zeichnete mit Bleistift und den verschiedenen Linealen und Kurven dieses nach.

Beim Ärmel gibt es eine Besonderheit, denn ich möchte den Ärmel nicht wie im Schnittmuster angegeben machen, sondern länger und ohne Spitzenanteil. Also musste ich mir auch diesen konstruieren, was mir (*Stolz*), wie ich finde, echt gut gelungen ist (danke Swantje Wendt):

Naehkurs_1

Als ich alles aufgezeichnet hatte habe ich alle Nahtzugaben und Saumzugaben abgeschnitten, um meinen Grundschnitt zu erhalten und dann habe ich geschaut, ob ich irgendwas anpassen muss anhand meiner gemessenen Maße und durch Dranhalten der Schablone an meinen Körper.

Mir fiel nix auf. Also nahm ich den Grundschnitt und übertrug diesen auf meinen Stoff (nur Oberteile ohne Passe (=Teile aus Spitze) und den Ärmel, muss ja noch was in dem Nähkurs machen 😉 ). Dann fuhr ich meinen Grundschnitt mit diesem tollen doppelten Kopierrädchen ab und hatte wieder meinen Produktionsschnitt:

Naehkurs_5

So gehe ich in die nächste Nähkurs-Stunde und schaue mal was passiert und was ich Euch noch so erzählen kann 😉 🙂

Ich fühle mich zu mindestens jetzt sicherer in dem Thema Schnittkonstruktion. Jetzt hoffe ich nur, dass mir der Pullover am Ende auch gut passt. Wenn nicht, hab ich zu mindestens jede Menge gelernt.

Was denkt ihr? Bin ich zu voreilig mit meiner Beurteilung des Kurses in der VHS und Frau X? Habt ihr schon solche Kurse gemacht und was sind Eure Erfahrungen? Würdet ihr wieder so einen Kurs machen oder sind Online Kurse besser geeignet?

Freu mich auf Eure Meinungen und Anregungen.

Liebe Grüße
Rebecca 😉 🙂

Und P.S.: Schaut Euch unbedingt mal den Tweed & Greet Blog an, der ist echt super mega toll 😀 😉 .

 

 

 

3 Gedanken zu „Nähkurs 2018 – Erfahrungsbericht Teil 1“

  1. Hallo Rebecca, ich habe ähnliche Erfahrungen mit einem anderen Kurs. Also, ich wollte immer alles gleich verstehen. So habe ich mir andere menschen gesucht, die es besser konnten. Schau doch mal in einer Nähstube vorbei und lasse dir ein paar Ratschläge geben. Du solltest generell alle Stoffe waschen vor dem Nähen . So viel wie ich noch weiss , ist die Schnittzugabe
    sehr vom Schnittmuster abhängig, dabei kann 1cm schon ein zu grosses Kleidungsstück ausmachen. Normal wird von einer Nahtzugabe von 1cm oder 0,75 cm. 075 cm werden häufig empfohlen, weil der Nähfuss bei den meisten Nähmaschinen 0,75 cm. ist.
    Somit ist es fürjemanden der anfängt gut sci am Nähfuss zu orientieren. Wenn du 1cm zugabe nimmst musst du auch 1 cm nähen, sonst hast du am Ende ein falsche Passform. Hat das Schnittmuster keine Nahtzugabe kannst du das Schnittmuster kopieren und die Nahtzugabe danach anzeichnen. Ganz toll musst du aufpassen bei unterschiedlichen Stoffen mit den Abnähern.Die müssen an der richtigen Stelle sitzen, sonst hängtt der Busen oben oder unten. Deine Mam

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    1. Hallo Mama,
      danke für deine Anregungen. 🙂 😀

      Was ist eine Nähstube?

      Das mit der NZ ist mir bekannt. Die meisten Nähfüßchen sind ca. 1 cm breit. Die NZ ist nicht mein Problem. Verlinkt habe ich das NZ-Thema von Tweed & Greet, weil ich den Tipp wie ich diese an der Nähmaschine leicht und korrekt einhalte toll beschrieben fand. Ansonsten war mein Thema eher der Nähkurs und die Schnittkonstruktion.

      Liebe Grüße
      Rebecca 😉 🙂

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